Hintergrund Gaspreiserhöhung

Faktor 1: Extreme Marktlage auf den Einkaufsmärkten

Die Gaspreise haben sich in den vergangenen Monaten extrem entwickelt. Bislang war noch nie etwas auch nur annähernd Vergleichbares auf dem deutschen oder europäischen Energiemarkt zu beobachten. Ein paar Zahlen verdeutlichen die Marktlage:

  • Auf dem Terminmarkt, auf dem Energieversorger langfristig beschaffen, ist der Preis für eine Gigawattstunde Erdgas für 2022 etwa dreieinhalbmal höher als im Januar.
  • Noch krasser fallen die Steigerungen auf dem Spotmarkt aus, auf dem die Versorger kurzfristig einkaufen. Hier haben sich die Preise seit Jahresbeginn verfünffacht.

Für den Preisanstieg beim Gas gibt es verschiedene Gründe:

  • Der wichtigste ist wohl, dass die globale Wirtschaft nach den Corona-Monaten wieder richtig in Schwung kommt. Diese grundsätzlich positive Entwicklung geht allerdings mit einem überdurchschnittlichen Energiebedarf einher. Was den Gesetzen der Marktwirtschaft folgend zu einem Preisanstieg führt. Und je größer die Nachfrage – aktuell brauchen vor allem Unternehmen im asiatischen und südamerikanischen Raum viel Energie – desto höher klettern die Preise.
  • Dazu kommt, dass sich das Angebot an anderer Stelle verknappt. So zum Beispiel haben einige Betreiber von Förderplattformen und Pipelines Wartungsarbeiten coronabedingt verschoben und holen diese jetzt nach.
  • Zu allem Überfluss war der letzte Winter in Europa vergleichsweise lang und kalt. Was dazu führte, dass die Reserven in den Gasspeichern weitgehend aufgebraucht wurden. Im Sommer gelang es witterungsbedingt nicht, die Lager wieder aufzufüllen. Denn einige Staaten in Südeuropa hatten mit extremer Hitze zu kämpfen. Und der für die Klimatisierung nötige Strom entsteht weitgehend in Gaskraftwerken.

Entwicklung der Gas-Terminmarktpreise seit 2010

Faktor 2: Beim CO2-Preis zündet die nächste Stufe

Mit dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (kurz BEHG) hat die Bundesregierung 2021 einen nationalen Preis für den Ausstoß von CO2 eingeführt. Neben dem Anfangspreis für 2021 von 25 Euro pro Tonne CO2 wurde auch gleich ein stufenweiser Anstieg für die nächsten Jahre festgelegt.

Planmäßig steigt der CO2-Preis zum 01.01.2022 von 25 Euro auf 30 Euro pro Tonne CO2. Für Erdgas bedeutet das einen Anstieg von 0,455 Ct/kWh auf 0,546 Ct/kWh (netto).

Die Bundesregierung möchte mit dem CO2-Preis Anreize für ein umweltschonendes Verhalten setzen. Mit den Einnahmen finanziert der Bund viele Maßnahmen, wie zum Beispiel Förderprogramme zur Gebäudesanierung. So kommen sie direkt dem Klimaschutz zugute.

Entwicklung des CO2-Preises

Faktor 3: Steigende Netznutzungsentgelte

Die Preisanpassung ist auch erforderlich, da zum Jahreswechsel die meisten Komponenten der Netznutzungsentgelte steigen. Netznutzungsentgelte müssen wir dem Netzbetreiber, der Mittelhessen Netz GmbH, für die Nutzungen der Gasleitungen bezahlen.

Die Netzentgelte werden von den staatlichen Regulierungsbehörden insbesondere mit Blick auf Kosteneffizienz streng geprüft und genehmigt.